Kalkulation
Angebot kalkulieren im Handwerk: Stundensatz, Marge und eine ehrliche Beispielrechnung
Die unbequeme Wahrheit zuerst: Viele Handwerksbetriebe verdienen an manchen Aufträgen kein Geld – und merken es nicht, weil nie sauber nachgerechnet wird. Der Stundensatz ist historisch gewachsen, der Materialaufschlag Bauchgefühl, und die Gemeinkosten (Transporter, Werkstatt, Versicherung, Büro) tauchen in keinem Angebot auf.
Eine saubere Kalkulation hat vier Bausteine – und alle vier gehören in jedes Angebot:
Die vier Bausteine
- Lohnkosten: Arbeitsstunden × Stundensatz. Wichtig: Der Stundensatz ist nicht der Bruttolohn! Auf den Lohn kommen Arbeitgeberanteile, bezahlte Ausfallzeiten (Urlaub, Krankheit, Feiertage) und unproduktive Zeiten. Als Faustformel liegt der kostendeckende Verrechnungssatz beim 2- bis 2,5-fachen des Bruttostundenlohns.
- Materialkosten mit Aufschlag: Einkaufspreis plus 15–30 % für Beschaffung, Lagerung und Schwund. Material zum EK weiterzugeben heißt, bei jedem Materialeinsatz draufzuzahlen.
- Gemeinkostenzuschlag (10–20 %): Fahrzeuge, Werkstatt, Versicherungen, Verwaltung – Kosten, die kein einzelner Auftrag verursacht, die aber jeder Auftrag mittragen muss.
- Gewinnmarge (5–15 %): Dein Unternehmerlohn und Puffer. Kein Luxus, sondern der Grund, warum du das Risiko trägst.
Beispielrechnung: 10 Steckdosen setzen
| Position | Betrag | |
|---|---|---|
| Material: 10 Stk × 12,50 € EK × 1,20 Aufschlag | 150,00 € | |
| Lohn: 4 Std. × 58 € (Geselle) | 232,00 € | |
| Zwischensumme | 382,00 € | |
| + 15 % Gemeinkosten | 57,30 € | |
| + 10 % Gewinn | 43,93 € | |
| Angebotssumme netto | 483,23 € | |
| + 19 % MwSt | 91,81 € | |
| Brutto | 575,04 € |
Der Unterschied zwischen 382 € („Material plus Stunden") und 483 € netto ist genau der Betrag, den Betriebe ohne saubere Kalkulation verschenken – rund 100 € bei einem Kleinauftrag.
Zwei Profi-Gewohnheiten
Interne Kalkulation und Kundenangebot trennen. Der Kunde muss deine Zuschläge nicht sehen – er bekommt saubere Endpreise pro Position, in die Gemeinkosten und Marge anteilig eingerechnet sind.
Nachkalkulieren. Nach dem Auftrag die tatsächlichen Stunden mit den kalkulierten vergleichen. Nichts macht deine Angebote schneller besser.
Die Vorlage dazu
Unsere Kalkulationsvorlage macht genau das: Stundensätze und Zuschläge einmal in den Stammdaten hinterlegen, Positionen mit Menge, Material-EK und Stunden erfassen – und das druckfertige Angebotsblatt rechnet Gemeinkosten und Marge unsichtbar in die Kundenpreise ein.
Excel-Vorlage
Angebots- & Kalkulationsvorlage
Stammdaten, Kalkulation mit 20 Positionen und druckfertiges Angebotsblatt – die Beispielrechnung oben stammt 1:1 aus dieser Vorlage.
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